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MeiDresden.de - Aktuelle News aus Dresden und der Umgebung - Germania: Insolvenzverfahren eröffnet

MeiDresden.de  01.04.2019  16:37 Uhr - Berlin, 1. April 2019. Das zuständige Amtsgericht Charlottenburg hat heute das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Germania Fluggesellschaft mbH, der Germania Technik Brandenburg GmbH und der Germania Flugdienste GmbH eröffnet. Zum Insolvenzverwalter wurde Rüdiger Wienberg von der Kanzlei hww hermann wienberg wilhelm bestellt, der bereits als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt war. Der Geschäftsbetrieb wurde zum 1. April stillgelegt.

„Im eröffneten Insolvenzverfahren geht es jetzt darum, das Vermögen der insolventen Unternehmen zu verwerten und am Ende an die Gläubiger zu verteilen“, erläuterte Wienberg. Dazu müssen sämtliche Forderungen von Gläubigern gegen das Unternehmen erfasst und jeweils einzeln auf ihre Rechtmäßigkeit und Durchsetzbarkeit überprüft werden. Parallel geht Wienberg möglichen Ansprüchen zugunsten der Insolvenzmasse nach. Wie in jedem Insolvenzverfahren wird er dazu auch eventuelle Vermögensverschiebungen sowie Haftungs- und Anfechtungstatbestände aus dem Zeitraum vor der Insolvenzanmeldung prüfen und gegebenenfalls entsprechende Ansprüche geltend machen.

Foto: MeiDresden.de


Die Gläubiger haben nach der Verfahrenseröffnung in Kürze die Möglichkeit, ihre Forderungen zur Insolvenztabelle anzumelden. Dafür hat Wienberg ein Online-Gläubiger-Portal eingerichtet, das unter https://germania.insolvenz-solution.de zu erreichen ist. Dort können sich Gläubiger registrieren und ihre Forderungen ab dem 8. April 2019 elektronisch anmelden. Die Frist zur Anmeldung von Forderungen endet am 1. Juli 2019. Auch Dokumente und Informationen zum Verfahren sind über das Gläubiger-Portal abrufbar. Der Insolvenzverwalter geht derzeit von über 600.000 betroffenen Reisenden aus, deren Flüge insolvenzbedingt nicht stattgefunden haben bzw. stattfinden.

Ob und in welcher Höhe Gläubiger mit einer Quotenzahlung auf ihre Forderung rechnen können, lässt sich erst ganz am Ende des Insolvenzverfahrens sagen. „Dazu müssen vorher alle Ansprüche für und gegen die insolventen Unternehmen rechtskräftig feststehen“, sagte Wienberg. „Das setzt in vielen Fällen eine gerichtliche Klärung voraus, und zwar über alle Instanzen. Ein Insolvenzverfahren dieser Größenordnung dauert deshalb erfahrungsgemäß Jahre.“

Die ehemals rund 1.700 Mitarbeiter der insolventen Germania-Gesellschaften haben inzwischen ihre Kündigungen erhalten und sind ab dem 1. April freigestellt.


Am 4. Februar 2019 hatten die Germania Fluggesellschaft mbH, die Germania Technik Brandenburg GmbH sowie die Germania Flugdienste GmbH Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.


MeiDresden.de  25.03.2019  11:51 Uhr - Die Perspektive auf eine Investorenlösung für die insolvente Fluggesellschaft Germania hat sich zerschlagen. Alle seriösen Bieter, mit denen Insolvenzverwalter Rüdiger Wienberg zuletzt verhandelt hat, sind abgesprungen. Damit ist eine Stilllegung nicht mehr abzuwenden.„Angesichts der Ausgangslage war es von Anfang an klar, dass eine Rettung extrem schwierig sein würde“, sagte Wienberg. „Germania war gegroundet, wir hatten keine eigenen Flugzeuge und kein Geld, die Leasingraten zu bezahlen. Trotzdem ist diese Nachricht natürlich enttäuschend. Wir haben buchstäblich den Interessenten den roten Teppich ausgerollt. Leider konnte oder wollte keiner darüber gehen.“

Abgesagt hat nicht nur der verbliebene Interessent für eine Übernahme des Flugbetriebs. Auch die beiden Interessenten für Wartung und Technik haben sich aus dem Bieterprozess zurückgezogen. Parallel zu diesen Optionen hatte Wienberg in den letzten Tagen noch versucht, eine Fortführungslösung im Rahmen eines Wet-Lease auf die Beine zu stellen. Auch diese Möglichkeit hat sich kurzfristig zerschlagen.

 

Der Knackpunkt in allen Fällen – so die Rückmeldung der Investoren – war der extrem enge Zeitrahmen:  Zum 31. März endet der Insolvenzgeldzeitraum. Weil Germania für eine Fortführung des Geschäftsbetriebs aus eigener Kraft die Mittel fehlen, musste bis dahin die Investorenlösung stehen. „Weniger als zwei Monate sind für die Investoren sehr wenig, um eine Übernahme zu planen, durchzurechnen, darüber zu entscheiden“, so Wienberg. „Zumal der Fall aufgrund des Groundings, der geleasten Maschinen und der entzogenen Betriebsgenehmigung  außerordentlich komplex war.“ Hinzu kommt für jeden Investor das Problem, in diesem Zeitraum die für eine Übernahme und Wiederaufnahme des Flugbetriebes notwendige Finanzierung zu organisieren.

Dass die Sommersaison bevorsteht, und die Branche dingend Flugzeugkapazitäten braucht, hat den Investorenprozess zusätzlich erschwert. „Entsprechend schwierig war es, die Leasinggeber dazu zu bewegen, uns weiterhin die Flugzeuge zur Verfügung zu stellen – zumal wir die Leasingraten nicht bezahlen konnten“, erläuterte Wienberg. Das Flugverbot für die Boeing 737 Max hat die Situation zuletzt nochmal deutlich verschärft, weil dadurch Flugzeuge noch knapper wurden.

„Dass es vor diesem Hintergrund überhaupt gelungen ist, bis zuletzt die ernsthafte Option auf eine Rettung im Spiel zu halten, war ein Kraftakt, an dem vor allem auch die Germania Mitarbeiter einen maßgeblichen Anteil haben“, betonte der Insolvenzverwalter. „Sie haben mit großem Einsatz für den Erhalt von Germania gekämpft.“ Wienberg hob auch die gute Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtbundesamt und dem Flughafenkoordinator der Bundesrepublik Deutschland (Fluko) hervor. „Die zuständigen Behörden haben uns sehr wohlwollend begleitet“, sagte er.

Der Insolvenzverwalter ist nun gezwungen, die Stilllegung der insolventen Gesellschaften umzusetzen. Aus eigener Kraft sind die insolventen Germania-Gesellschaften nicht in der Lage, den Geschäftsbetrieb fortzusetzen bzw. wieder aufzunehmen. Das Insolvenzrecht erlaubt eine Fortführung nur, wenn sich daraus kein Nachteil für die Gläubiger ergibt, d.h. die Unternehmen kein Geld „verbrennen“. Das wäre aber bei einer Fortführung der Fall. Die insolventen Gesellschaften sind seit dem Grounding von jeglichen relevanten betrieblichen Einnahmen abgeschnitten.

Die Mitarbeiter erhalten nun in den nächsten Tagen die Kündigungen und werden zusätzlich zum Anfang April freigestellt.

Am 04. Februar 2019 hatten die Germania Fluggesellschaft mbH (1.426 Beschäftigte), die Germania Technik Brandenburg GmbH (178 Beschäftigte) sowie die Germania Flugdienste GmbH (74 Beschäftigte) einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.


Quelle: möller pr GmbH

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