Lässt sich der Natur ein Schnippchen schlagen? Mit Schnee wird es zu den Feiertagen außerhalb der Alpen und Mittelgebirge wohl auch dieses Jahr nichts werden. „Weiße Weihnachten“ der anderen Art sind aber möglich: Wer ein weihnachtliches Blütenwunder erleben möchte, dem rät der NABU, jetzt im Garten ein paar kleine Zweige vom Kirschbaum zu schneiden und in eine Vase zu stellen. Bei guter Pflege öffnen sich die schneeweißen Blüten pünktlich zu Weihnachten. Traditionell werden die Zweige am Barbaratag (4. Dezember) geschnitten. Der Legende nach hatte Anfang des 4. Jahrhunderts die in einem Turm gefangene heilige Barbara einen Kirschzweig mit etwas Wasser aus ihrer Trinkschale zum Blühen gebracht. Barbarazweige sind eine alte Weihnachtstradition, viel älter als der Christbaum. Öffnen sich die Blüten genau am Weihnachtsmorgen, verheißen sie Glück für das nächste Jahr. Vermutlich geht der Brauch auf das Orakel der germanischen Lebensruten zurück.

Kirschpflaume Foto: NABU/ Henning MayKirschpflaume Foto: NABU/ Henning May

Für Barbarazweige eignen sich neben Kirschbäumen weitere Frühblüher wie Schlehe oder Kirschpflaume, für Farbvarianten auch Kornelkirsche und Forsythie – beide gelb – sowie in Rottönen Mandel, Pfirsich oder Zierjohannisbeere.

Der Trick dabei: Die Zweige müssen zunächst Kälte und dann Wärme ausgesetzt sein, das simuliert die Winterruhe und startet das Blühprogramm der Knospen. „Der weitverbreitete Frost vorletzte Woche dürfte als Kälteimpuls bereits gereicht haben“, schätzt NABU-Pressesprecher Helge May. „Wer sichergehen will, legt die Zweige zunächst eine Nacht in den Gefrierschrank. Das Aufwachprogramm beginnt am besten behutsam mit einem Ruhetag in einem kühlen Raum, gefolgt von einer Badenacht in lauwarmem Wasser. Erst dann kommen die Zweige in die Vase.“ Das Vasenwasser sollte alle zwei bis drei Tage erneuert werden. Vorsicht vor allzu warmen Räumen oder unmittelbarer Heizungsnähe, damit die Zweige nicht vertrocknen.

Süsskirsche . Foto: NABU/ Henning MaySüsskirsche . Foto: NABU/ Henning May

Zusatzinfos:
Die heilige Barbara soll um das Jahr 300 in Nikomedia gelebt haben, dem heutigen Izmit in der Türkei. Sie wurde wegen ihres Übertritts zum Christentum verurteilt und angeblich vom eigenen Vater hingerichtet. Barbara ist als historische Figur nicht verbürgt, hat aber unter den Heiligen eine recht promiente Stellung, unter anderem als eine der 14 Nothelfer*innen sowie als Schutzpatronin der Bergleute und Feuerwehrleute.

Barbarazweige sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt. In der christlichen Symbolik soll das frische Grün die Erlösung durch den Mensch gewordenen Gott versinnbildlichen. Die Tradition ist aber wesentlich älter. Bei der Einstallung des Weideviehs vor dem Wintereinbruch nahm man Zweige von den Bäumen mit und stellte sie in eine Vase. Aus der Anzahl der Blüten schloss man auf die Fruchtbarkeit und das Wetter des kommenden Jahres. Im Volksglauben war es zudem Brauch, dass junge Frauen jedem Zweig den Namen eines Verehrers zuwiesen. Der zuerst blühende Zweig sollte den künftigen Bräutigam benennen.

Neben Barbarazweigen, teils reich geschmückt, gab es regional auch ganze Barbarabäume. Anderes als die Christbäume handelte es sich um Laubgehölze wie Birke, Ulme oder Kirsche. Ganz klein daher kommt dagegen der Barbaraweizen, der Anfang Dezember auf einem Teller ausgesät wird und dann bis Weihnachten austreibt. Auch er ist ebenso Fruchtbarkeitsorakel wie Symbol für Jesus Christus.

Quelle: NABU (Naturschutzbund Deutschland) e.V.