Noch nie wurden in Deutschland so viele Gewebe gespendet wie im vergangenen Jahr. Obwohl es prozentual nicht mehr Zustimmungen gab als 2024, war die Anzahl der Meldungen, der Aufklärungsgespräche und damit auch der Personen, die Gewebe gespendet haben, erkennbar höher als 2024. 9.640 Patientinnen und Patienten deutschlandweit konnten mit einem Transplantat aus dem Netzwerk der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) versorgt werden. Das ist eine Steigerung von 15,2 Prozent zum Vorjahr – ebenfalls ein Rekordwert. Sachsen war zudem eines der spendenstärksten Bundesländer: Hier wurden insgesamt 611 Gewebespenderinnen und -spender registriert, davon 83 am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden, einer Gesellschafterklinik der DGFG. Umgekehrt haben im vergangenen Jahr 144 Patientinnen und Patienten ein Gewebetransplantat am Universitätsklinikum Dresden erhalten – alle im Augenbereich.

 Hornhautprozessierung - Hornhaut gelangt in das Kulturmedium - Foto: DGFGHornhautprozessierung - Hornhaut gelangt in das Kulturmedium - Foto: DGFG

„Genau wie bei der Organspende warten deutschlandweit viele Menschen auf eine für sie wichtige Spende. Hierbei sind Medizinerinnen und Mediziner auf den Willen anderer angewiesen, die sich für die Organ- oder Gewebespende entscheiden. Die Zahlen der DGFG machen uns Mut, künftig noch mehr Menschen helfen zu können“, sagt Prof. Uwe Platzbecker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. 

Erstmals hat die Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) im Jahr 2025 mehr als 60.000 Meldungen potenzieller Gewebespenderinnen und -spender aus mehr als 320 verschiedenen Einrichtungen erhalten. Über 12.000 Aufklärungsgespräche zur Gewebespende wurden daraufhin mit An- und Zugehörigen von Verstorbenen geführt, wobei in 4.585 Fällen eine Zustimmung zur Spende gegeben wurde. Die Zustimmungsquote lag mit 37,9 Prozent auf Vorjahresniveau. „Insgesamt blicken wir voller Dankbarkeit auf ein sehr spendenstarkes Jahr 2025. Zuallererst gilt unser Dank immer den Spenderinnen und Spendern sowie ihren An- und Zugehörigen. Ihr Altruismus und ihre Solidarität machen die Gewebemedizin erst möglich. Dass wir bei gleichbleibender Zustimmungsquote mehr Spenden realisieren konnten, ist auch dem zu verdanken, dass immer mehr Kliniken in Deutschland potenzielle Spenderinnen und Spender melden und die Gewebespende in ihr Selbstverständnis integrieren. Das ist in einer Zeit, in der die Kliniken und ihr Personal so stark belastet sind, keine Selbstverständlichkeit“, sagt DGFG-Geschäftsführer Martin Börgel.

 Hornhautlamelle - Präparation der Lamellären Hornhaut (LaMEK) unter dem Mikroskop in der Hornhautbank - Foto: DGFGHornhautlamelle - Präparation der Lamellären Hornhaut (LaMEK) unter dem Mikroskop in der Hornhautbank - Foto: DGFG

Von 4.188 durchgeführten Entnahmen spendeten 4.070 Personen nach Ihrem Tod ihre Augenhornhäute. In 2025 wurden 6.370 in der Gewebebank aufbereitete Augenhornhauttransplantate zur Operation an Augenkliniken vermittelt und ermöglichten Patientinnen und Patienten ihr Augenlicht zu erhalten oder wiederzuerlangen. Das entspricht einer Steigerung um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allein 113 Hornhäute wurden am Universitätsklinikum Dresden transplantiert.

Dennoch besteht weiterhin ein Mangel an Augenhornhäuten und anderen Geweben. Besonders eklatant ist der Mangel bei Herzklappen: Diese wurden zu 84,4 Prozent im Rahmen einer Organspende entnommen, wenn das gesamte Herz für eine Organtransplantation medizinisch nicht in Frage kam. Ihre Anzahl steht somit im Zusammenhang mit den in Deutschland durchgeführten Organspenden. 2025 wurden im Netzwerk der DGFG 472 Herzklappen gespendet (18,3 Prozent mehr als 2024). Dennoch konnte die DGFG nur weniger als die Hälfte der Anfragen bedienen, was die Wichtigkeit des Ausbaus von Spendeprogrammen nach Herz-Kreislauf-Versterben verdeutlicht.

Gewebetransplantat in Nährlösung -Foto: DGFGGewebetransplantat in Nährlösung -Foto: DGFG 

 DGFG wirbt für mehr Aufklärung für Gewebespende                                                                                                                                                                                             „Im Gegensatz zur Organspende ist die Gewebespende der breiten Bevölkerung oft unbekannt. Viele Menschen kennen die Option einer Spende bis ins hohe Alter und nach Herz-Kreislauf-Versterben nicht“, sagt Martin Börgel. In Deutschland wurden 88,3 Prozent der gespendeten Gewebe nach Herz-Kreislauf-Versterben realisiert, der Großteil der spendenden Personen liegt in einer Altersgruppe zwischen 65 und 74 Jahren (37,1 Prozent). 32 % der Personen, die Gewebe gespendet haben, waren älter als 75. Oft wissen Angehörige nicht, wie und ob die verstorbene Person sich zur Gewebespende geäußert hat. 69 Prozent der Zustimmungen und 62,9 Prozent der Ablehnungen wurden, dem Transplantationsgesetz (TPG) entsprechend, von Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen der Verstorbenen entschieden.  „Deshalb arbeiten wir konstant daran, die Gewebemedizin in der Öffentlichkeit sichtbarer zu machen. Für 2026 wünschen wir uns, dass der Aufklärungsgrad zur Gewebespende weiter zunimmt. Wird das Thema zu Lebzeiten mit An- und Zugehörigen besprochen, erleichtert man ihnen eine schwierige Entscheidung in einer mehr als herausfordernden Situation“, sagt Martin Börgel.

Quelle: Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden