Ende November reisten die beiden Gänsegeier-Nachzuchten in ein Wiederansiedlungsprojekt nach Udine in Norditalien an der Grenze zu Slowenien. Die beiden männlichen Vögel, die im März 2024 und März 2025 bei uns im Zoo schlüpften und zu stattlichen Geiern heranwuchsen, sind gut im Naturschutzgebiet Lago di Cornino (Riserva Naturale Regionale del Lago di Cornino) angekommen. Zur Eingewöhnung bleiben die beiden jungen Gänsegeier nun für einige Wochen in der Station, wo sie behutsam auf die bevorstehende Auswilderung vorbereitet werden.Wie viele Geier und Raubvögel hat auch der Gänsegeier in den letzten Jahrzehnten einen starken Rückgang erlebt und ist aus einigen Ländern verschwunden. In Italien war die Art auf Sizilien, Sardinien und in verschiedenen Gebieten der Alpen und Apenninen verbreitet.
Gänsegeier Zoo Dresden Foto: Eva Maria Nollau
Die Gesamtpopulation in Italien (Sardinien, Friaul, Abruzzen, Sizilien, Kalabrien) umfasst derzeit etwa 350 Brutpaare. Dieses aktuelle Vorkommen des Gänsegeiers in Italien ist eng mit Naturschutzprojekten verbunden, die die Gründung von neuen Kolonien sowie die Rettung der letzten italienischen Kolonie auf Sardinien ermöglichten. Im November 2020 konnten bereits zwei eigene Nachtzuchten, der im Zoo Dresden geschlüpften Gänsegeier in ein Freilandprojekt auf Sardinien gegeben werden, wo sie zur Stärkung und zum Wachstum der Population beitragen.
Gänsegeier Zoo Dresden Foto: Eva Maria Nollau
Das Naturschutzgebiet Lago di Cornino
In den Ostalpen sind Gänsegeier in der Regel im Frühjahr und Sommer anzutreffen, da sie die wärmeren Monate des Jahres in einem riesigen Gebiet verbringen, das die Region Friaul-Julisch Venetien und einen Teil der slowenischen und österreichischen Alpen umfasst.Ende der 1980er Jahre wurde im „Riserva Naturale Regionale del Lago di Cornino” ein Schutzprojekt ins Leben gerufen, um die Population der Art in den Alpen zu festigen und neue Brutkolonien zu schaffen. Seit 1992 wurden etwa 80 Geier ausgewildert. Die lokale Population umfasst derzeit mindestens 200 Individuen im Winter und mehr als 350 im Sommer, wenn viele Vögel aus Kroatien und anderen Ländern hinzukommen. Die Vögel folgen traditionellen Flugwegen, um zwischen Kroatien und den wichtigsten Standorten in den Alpen zu pendeln.
Ankunft im Naturschutzgebiet Lago di Cornino in Norditalien Foto: Zoo Dresden
In dem Naturschutzgebiet gibt es eine Futterstelle, die das ganze Jahr über große Mengen an Nahrung bereitstellt. Die Existenz dieser Futterstelle scheint jedoch keinen Einfluss auf die von Gänsegeiern erkundeten Gebiete zu haben, da diese einen Großteil ihrer Nahrung in den Alpen finden, wo sie sich von totem domestiziertem Vieh und wildlebenden Huftieren ernähren (Kadavern) ernähren.
Das Projekt hat die Rückkehr der Gänsegeier in den Alpen erfolgreich gesichert.
Das 487 ha große Naturschutzgebiet liegt am südöstlichen Rand der Karnischen Voralpen (Gemeinden Forgaria nel Friuli und Trasaghis) und wird durch das breite Flussbett des Tagliamento von den Julischen Voralpen abgegrenzt. Zum Schutzgebiet gehört der knapp 6 km lange Flussabschnitt des Tagliamento zwischen Peonis und der Brücke bei Cornino. Es umfasst Wiesen, Nutzflächen, das Felsgebiet oberhalb von Somp Cornino, den Cornino-See sowie steile Hänge und Schuttkegel am Tagliamento. Die Höhe variiert stark von 170 m ü.M. am Fluss bis über 700 m auf der Hochebene Monte Prat.
Riserva di Cornino and Tagliamento River Foto: Fulvio Genero
Das Gebiet zeichnet sich durch eine vielseitige Landschaft und einen hohen Naturwert aus. Die besondere Lage, Morphologie und das Klima schaffen günstige Bedingungen für eine bemerkenswerte Fauna und Flora.
Der Tagliamento gilt als „König der Alpenflüsse“ (CIPRA, 1998), da er als einziger in Mitteleuropa noch in seinem natürlichen Flussbett fließen darf und einen fast verschwundenen Landschaftstyp prägt. Der 170 km lange Flusslauf steht jedoch nur in dem durch das Naturschutzgebiet verlaufenden Abschnitt unter Schutz. Der Cornino-See liegt in einer großen Senke zwischen Schuttkegeln und alten Bergrutschmassen und ist bekannt für sein kristallklares, smaragdgrünes Wasser.
Zoo Dresden Artenschutz-Engagement für die heimischen europäischen Geierarten
Das Artenschutzprojekt Vulture Conservation Foundation (VCF) unterstützt der Zoo Dresden bereits seit 2014 mit finanziellen Mitteln. Seit Einführung des Artenschutzeuros fließen jährlich 35.000 Euro in den Schutz aller vier in Europa heimischen Geierarten. Über Monitoring-Programme werden Bestände im Freiland erfasst oder die Wanderrouten einzelner Vögel untersucht. Der Zoo Dresden hat sich bereits an der Wiederansiedlung von Bartgeiern und Gänsegeiern beteiligt.
Quelle. Zoo Dresden